Besuch Desa Cegeng – durch Reisfelder wandern

Diesmal hatte ich mit Kadek mir die Zeit vertrieben. Wir hingen an seinem Warung rum, als er beschloss zu schließen, weil sich einfach keine Kunden blicken ließen. Da schlug er mir etwas vor. Mit Ketut, der kurz davor zu uns gestoßen war, einen Besuch im Desa Cegeng zu machen und es mir mal an zu sehen. Wer mich kennt, weis das ich sowas auf keinen Fall ausschlagen kann. Ich war sofort Feuer und Flamme dafür das Dorf, Cegeng, kennen zu lernen. Wir schwangen uns also aufs Motorrad und sausten los.

Balinesische Maske

Kurz gesagt ist Desa Cegeng ein ziemlich typisches Dorf auf Bali. Ruhig, verträumt, umsäumt von Reisfeldern, auf denen die Bewohnern ihrer harten Arbeit nachgehen. Bewacht von den auf Bali üblichen Hunden. Hier und da sult sich ein Schweinchen in einer Pfütze. Zu hören ist das gackern von Hühnern, das krähen der Hähne, das lachen von Kindern. Und in der ferne, erhebt sich deutlich sichtbar, der Gunung Agung.

Desa Cegeng – Ein erstes Kennenlernen

Also ein perfektes Abziehbild davon was Balitouristen und Reisekataloge als Vorstellung davon haben, wie Bali ist, oder sein sollte. Mir gefiel es schon als wir uns nur näherten, ein so süßes und verträumtes Dorf, vom Tourismus, abgesehen davon das ein paar Einwohner in die Touristenzentren fahren um dort zu arbeiten, völlig unbefleckt. Links und rechts der Straße sah ich hauptsächlich Reisfelder, aber auch ein paar Chilli und Maisfelder, die Straße war wenig befahren und wurde um so näher wir dem Dorf kahmen immer schmaler.

Im Dorfzentrum gab es ein paar kleine Warungs vor denen sich ein paar Bewohner eine Pause mit Zigaretten, Kaffee, oder ein Wasser gönnten und dabei den allerneusten Schnack austauschten. Ketut war Ihnen natürlich bekannt ,er hielt an begrüßte alle und erzählte natürlich wer ich war, denn ich war ihnen schon längst aufgefallen und sie waren neugierig.

Ketuts Familie im Desa Cegeng

Dann fuhren wir die letzten paar Meter bis zu seinem Haus. Es ging einen sehr schmalen Pfad rauf, kaum breiter als das Motorrad. Das Grundstück war ca. 12 Are groß (1200m²), lag mit einer Seite am Rand des Dorfes und hatte außer Bananenpflanzen nur 3 kleine Gebäude. Eines war (wie es viele Großmütter noch kennen) ein Plumpsklo. Daneben in einigen Abstand ein weiteres Gebäude, wie ich vermutete wohl die Küche. Gegenüber davon stand mit einer kleinen Terrasse, das Wohngebäude das insgesamt drei kleine spärliche Räume beinhaltete.

Ketut hatte meinen Besuch nicht angekündigt, denn als wir auf den Hof fuhren, begrüßte Ketuts Mutter uns spärlich bekleidet. Sie trug nur BH und Sarong.

Egal wie bescheiden diese Familien in diesem Dorf leben, um so wärmer und großartiger ist ihre Gastfreundlichkeit. Das durfte ich dann auch sogleich live erleben. Ich wurde gebeten doch auf der Terrasse Platz zu nehmen. Und zack auf einmal tauchten, bei meinem Besuch im Desa Cegeng, von überall Familienmitglieder und Freunde der Familie auf. Sie brachten was zu essen und zu trinken, fast so als hätten sie sich abgesprochen.

Ich lernte Ketuts Schwester, seine zwei Töchter, etwas später auch seine Frau, und eine Menge Kinder aus der Nachbarschaft, die mich nie auch nur eine Sekunde aus den Augen ließen, kennen. Mir wurde auch erzählt das der Vater von Ketut leider schon im Alter von 50 Jahren, an einer Krankheit verstarb, die (wie ich vermute) in Deutschland bestimmt nicht seinen Tot zur Folge gehabt hätte.

Ketuts 2. Tochter, Kadek (5 Jahre), ließ sich von ihrer Mutter ein lila Prinzessinenkleid über ziehen und war natürlich der Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit. Ich dachte nur: “So niedlich können Kinder abseits der Quengelzone im Supermarkt sein?” und war total begeistert von ihrem ansteckenden Lachen.

Spaziergang durch Reisfelder bei Cegeng

Ketut war müde und fragte sowohl seine Töchter, wie ach die anderen Kinder, ob sie mir nicht, bei meinen Besuch im Desa Cegeng, die Aussicht über die Reisfelder von der Rückseite des Grundstücks zeigen und anschließend mit mir zum baden im Fluss gehen wollten. Die waren natürlich sofort begeistert von der Idee, nahmen mich bei der Hand und los ging es, über Trampelpfade und kleine Brücken über Bewässerungsgräben, zu den Punkten mit der schönsten Aussicht.

Wir grüßten und neckten ein Schwein das ein Bad in einem der Bewässerungsgräben nahm und kamen zu einer kleinen armseligen Hütte, wo einer der Jungen mir zu verstehen gab das dies sein zu Hause sei und er mir die Welpen seiner Hündin zeigen will. Ich begrüßte seine Mutter und machte Fotos von den nur wenige Tage alten Welpen, dann schnappte sich die kleine Kadek meine Hand und wir alle gingen wieder in die andere Richtung, quer durch das ganze Dorf.

Ein Bad im Fluss

Auf der anderen Seite des Dorfes ging es auf einem Pfad durch einen Dschungel und dann sehr steil runter zu dem Fluss. Wie Bergziegen kletterten wir runter, der Fluss sah aus wie ein typischer Bergfluss in den Alpen, nur das er nicht so bitter kalt war.

Nach all der Hitze des ganzen Tages und dem schweren Abstieg (ich wollte noch gar nicht über den Rückweg nachdenken) war das Bad im Fluss für alle eine Wohltat. Ich setzte mich auf einen Stein der außerhalb der Strömung und gerade so tief war, das ich bis zur Schulter im Wasser war und sah zu wie die Kinder nur 1-5 Meter entfernt vergnügt im Wasser planschten. Ab und zu hielt ich eines der Kinder am Arm und zog es wieder 1 Meter zum Ufer, damit es nicht in der Strömung weck trieb. Dann machten wir uns an den anstrengenden Rückweg, auf dem mir auffiel das ich während ich noch nass war schon wider schwitzte, ein seltsames Gefühl.

Am Haus angekommen, wurde natürlich wieder auf die gleiche Art für Getränke und Essen gesorgt, wie vorher. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile. Ich bewunderte wie schön der Vollmond von dem inzwischen dunkel gewordenen Dorf aus sah. Wie ein goldenes Tablett, ich musste unmittelbar an die hübschen Tänzerinnen denken, die mit vielen goldenen Schmuckstücken und gold/bunten Sarongs, tanzten.

Abschied von Desa Cegeng am frühen Morgen

Am Morgen duschte ich mich im Kamar Mandi, was das traditionelle Badezimmer ist, aus einem Becken mit Wasser und einer Kelle besteht und sich das kleine Gebäude mit dem Plumpsklo teilte, die aber von einander getrennt waren.

Danach erkundete ich allein ein bisschen das Dorf, hier und da begrüßte ein Hahn die ersten Strahlen der Sonne. Noch gemächlich begannen die Dorfbewohner mit ihren Morgen Ritualen, dort legte eine Frau duftende Räucherstäbchen auf eine kleine aus Blättern gefertigte Schale mit Opfergaben, hier schlenderte ein Reisbauer mit Sichel und Strohhut an mir vorbei, grüßte mich freundlich und schlurgste seines Weges, in einem schmalen Wasserkanal nahmen zwei Kinder ein Bad und ein Hund schnuffelte an mir und prüfte ob ich nicht sein Frühstück bei mir hätte.

Nach meinem kleinen Spaziergang gab es bei Ketuts Familie ein Frühstück und leckeren Bali Kaffee. Als wir schließlich das Dorf wieder verließen wurde mir nicht nur von der Familie nach gewunken, von überall tauchten Leute auf, die riefen, winkten und lachten.

Ich muss echt sagen: “Bewohner von Cegeng, ich habe euch richtig lieb gewonnen!”.

Balinesische Maske

Author: Jörn

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