Tod auf Bali

Posted by on 28. März 2013

Warum dieses Thema?

Der Tod gehört auch zum Leben, auch wenn wir den Gedanken daran gerne verdrängen. Auf Bali wird ganz anders mit dem Thema Tod umgegangen als wie bei uns in Europa. Was mir allerdings den Stubs zu diesem Thema gab war nicht wie damit auf Bali umgegangen wird, sondern eher eine zufällige Begegnung am Flughafen Ngurai Rai (Denpasar). Als ich meinen letzten Urlaub auf Bali (Februar 2013) beendete und auf den Flieger nach Singapur wartete, saß ein Australier neben mir, der nicht gerade wie ein typischer Tourist auf mich wirkte. Neugierig wie ich bin, habe ich gefragt und bekam als Antwort das er die Asche seiner Schwester ins Meer beigesetzt hatte und das das der Grund für seinen Aufenthalt auf Bali war. Da saß er wie ein Häufchen Elend und erzählte von der Beisetzung, wie sie verstorben war und wie die Asche nach einigen Zeremonien ins Meer gegeben wurde usw. Da wurde mir klar das das Thema Sepulkralkultur doch Interessant sein dürfte. Bei dem nun folgenden schildere ich, was ich unter anderem, bei einer Beisetzung auf Bali erlebt habe.

Auf Bali gibt es Stufen auf dem Weg zu Tod und Wiedergeburt

Im Christlichen Glauben kommt man nach dem Tod in den Himmel oder in die Hölle, was (dem Glauben nach) davon abhängt ob man ein guter, demütiger Christ war oder nicht. Im balinesischen Darma hinduismus, glaubt man hingegen an die Wiedergeburt und ob man wieder geboren wird, hängt eher davon ab ob man für Nachkommen gesorgt hat und ob diese alles Rituelle richtig machen. Denn man kann nur im Kreis seiner Nachkommen wieder geboren werden, d.H. es müssen Rituale nach dem Tod durchgeführt werden (und das sind einige), es muss Nachkommen geben die wiederum ihren Ahnen Opfer bringen, und in deren Kindern eine Wiedergeburt statt finden kann.
Auch das Leben wird von ein paar Stufen bestimmt: Die erste Stufe ist das Kind sein, das so lange geht bis mal Heiratet, erst mit der Heirat werden Balinesen in ihrer Gesellschaft als Erwachsene anerkannt, bis dahin werden sie mit Fürsorge überzogen und mit der Anrede für Kinder angesprochen. Wer verheiratet ist hat die Aufgabe für Nachfahren zu sorgen und für deren aufwachsen, sind die Kinder aus dem gröbsten raus, beginnt die nächste Stufe, es wird sich noch stärker auf Religion und Rituale konzentriert um sich bestmöglich auf den Tod und/oder Aufstieg vorzubereiten.

 

Die Beisetzung

Nachdem jemand verstorben ist wird von einem Priester eine Zeremonie durchgeführt, in der wird für den Geist des Verstorbenen gebetet. Für diese Zeremonie wird eine ganz spezielle Art von “Tirta” (heiliges Wasser) verwendet, eins das nur für verstorbene bestimmt ist, dadurch kann der verstorbene verstehen was mit ihm geschehen ist. Der Verstorbene wird so bald wie möglich auf dem Friedhof beigesetzt, aber nicht jeden Tag, den der balinesische Kalender sagt: “Nicht jeder Tag ist ein passender Tag” . Alle die auch nur über irgendeine nachvollziehbare Ecke mit dem Verstorbenen verwandt sind werden zusammengetrommelt, es wird eine Transport – Bahre aus Bambus angefertigt. Es wird nebenbei geschwind zubereitet und gekocht, damit alle versorgt sind. Ein Gamelan wird Organisiert, das dann den ganzen Tag bis zum Sonnenuntergang spielt, ja sogar den Toten musikalisch zum Friedhof begleitet. Der Verstorbene wird in Baumwolltüchern eingewickelt und auf eine Bambusmatte gelegt. Den ganzen Tag kommen Leute aus dem Dorf und es treffen weitere Angehörige ein. An diesem Tag wird von der Familie getrauert, das macht sich dadurch bemerkbar das einige (meist Frauen) weinen, gescherzt und gelacht wird nicht. Die meisten Vorbereitungen werden still und mit geübten Händen durchgeführt. Dann ca. 2 Stunden vor Sonnenuntergang ist es dann soweit, der Zug aus dem Verstorbenen, trauernden und dem Gamelan setzt sich in Bewegung.  Auf dem Weg zum Friedhof sind alle Geschäfte verschlossen und verriegelt, am Straßenrand vor jedem Hauseingang glimmen, qualmend und stinkend, Schalen von Kokosnüssen, um den Geist des Verstorbenen davon abzuhalten, in die Häuser und Geschäfte zu kommen und eventuell Unheil anzurichten.

Auf dem Friedhof wurde zuvor schon eine Grube von ca. 60 cm Breite, 160 cm Tiefe und 180 cm Länge ausgehoben. In die wird der Leichnam dann vorsichtig, mit vereinten Kräften hinuntergelassen. Während das Gamelan weiterhin spielt fangen einige Frauen an zu singen oder wieder zu weinen. Es wird von vielen Angehörigen eine Handvoll Erde ins Grab geworfen. Während dessen fiel mir auf das, anders als wie in Europa, die Leute sich nicht viel um die Gräber der hier bereits bestatteten scherten, sie liefen einfach über ein Grab, oder setzten sich darauf. Die Gräber ließen auch keinerlei Grabpflege erkennen. Die Bahre für den Transport wurde zerlegt und ebenfalls in die Grube geworfen und danach schnell und mit vereinten Kräften das Grab zugeschaufelt. Einer oder mehr der nächsten Verwandten dankten allen Anwesenden für ihr kommen in dem sie ein paar Worte an sie richteten und das war dann alles, was man für den Verstorbenen an diesem Tag tun konnte. Alle anwesenden verspüren nur noch ein großes Verlangen danach, sich von dem was der Geist des Verstorbenen an Ihnen gelassen hat, zu reinigen, es wurde am Ausgang gebetet und Tirta (dies ist aber für Lebende) empfangen, dann gingen alle ausgiebig im Meer baden und anschließend ohne Umwege nach Hause.

 

Die nächsten Schritte

Von allen angehörigen wird dann in den nächsten drei Tagen erwartet, das sie nicht zu den Tempeln gehen, an keiner Zeremonie teilnehmen, ja sie bringen (sehr Auffällig da sie es sonst immer tun) nicht einmal die kleinen Opfergaben für die Geister im, am, um das Haus und dem Familientempel.

Das verbringen eines Verstorbenen unter die Erde ist aber noch längst nicht das Ende der Reise des Toten. Zunächst ist die Familie damit beschäftigt Geld für eine Verbrennung und die dazu gehörenden Zeremonien zu sparen. Dann wird beim Priester um die Nennung eines passenden Tages gebeten. Oftmals werden in einem Dorf viele Verbrennungen gleichzeitig durchgeführt, weil dann die einzelne Verbrennung für die Familie des Verstorbenen nicht so teuer ist.

 

Der große Tag – die Verbrennung

Wenn dann der große Tage der Verbrennung gekommen ist, wird der Leichnam wieder ausgegraben und in das Haus der Familie gebracht, dort aufgebahrt (traditionelle Familienanwesen haben einen extra für solche zeremoniellen  Zwecke gedachten Platz) um dann in Tüchern gewickelt. Es werden Opfergaben, eine Art Totenturm für den Transport zur Verbrennungstelle, ein aus Pappmasche gefertigtes Fabeltier (welches Tier hängt von der Kaste des Verstorbenen ab) für die Verbrennung, rituelle Waschungen und Segnungen vorbereitet. Jeder hilft so gut er kann mit und den ganzen Tag spielt ein Gamelan.  Spätestens wenn es dann so weit ist das der Verstorbene zur Verbrennungsstelle gebracht wird,  wird ein extrem großes Happening daraus und das ganze Dorf , sowie zahlreiche Touristen sind mit dabei. Es wird gelacht getanzt, Der Totenturm mit der Leiche wird von einer Masse von Männern getragen und immer wieder gedreht, damit die Seele des Verstorbenen nicht den Weg zurück ins Haus der Familie findet. Wenn man den Verbrennungplatz erreicht hat, wird der Leichnam in das Fabeltier aus Pappmasche gelegt und nach weiteren Reinigungszeremonien, die ein Priester vornimmt, verbrannt. Nachdem alles Verbrannt ist wird die Asche eingesammelt und in ein Behältnis (traditionell handelt es sich um eine Kokosnussschale)  gefüllt, danach wird die Asche in einem Fluss oder ins Meer gegeben. Damit ist die Seele frei sich Ihren Ahnen anzuschließen. Es folgen später noch besuche der Angehörigen in Tempeln um für die Seele des Verstorbenen zu beten, damit der Kreislauf von Leben-Sterben-Wiedergeburt, ohne Probleme verläuft (Mutmaßung des Verfassers).

Nachträglicher Vermerk

Das Touristen mit Kameras bei solchen Verbrennungen Filmen und Fotos schießen mag auf den einen nicht nur Makaber, ja gar abstoßend und widerlich wirken. Viele balinesen laden gerne einige Touristen dazu ein dieser Zeremonie beizuwohnen, oft karren Reisebüros und Reiseveranstalter ganze Busse voll Touristen zu diesen Verbrennungen und nutzen die Armut der Familien aus indem sie der Familie einen (meist sehr kleinen) Obolus dafür versprechen. Wer an solch  touristischen Geier verhalten nicht teil nehmen will, empfehle ich einfach die Insel zu bereisen, es finden überall, ständig Verbrennungen statt und wer auf die Einheimischen zugeht, wird schnell eingeladen, mit dabei zu sein. Der kann dann noch genügend verwirrend und auf einen makaber wirkende Dinge erleben, auch ohne die Touristenbusse, versprochen.

Nur meine Bitte haltet euch dabei an meinen Bali-Knigge, dann kann auch nicht viel schief gehen.

 

 

Die Wiedergeburt

Wenn ein Kind geboren wurde geht die Mutter mit dem Kind zu einem Priester und der versucht herauszufinden wer den von den Ahnen in dem Kind wiedergeboren wurde.

4 Responses to Tod auf Bali

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    PERANG JEMPANA – Pura Panti Timbrah, Paksebali, Region Klungkung. Perang Jempana bezeichnet eine besondere Zeremonie im Rahmen der Galungan/Kuningan Festperiode, bei der Tempelgottheiten miteinander kämpfen. Akteure der Zeremonie sind die Mitglieder eines Familienclans im Dorf Paksebali. Schon früh am Morgen ruft sie die Kul Kul-Trommel zu ihrem Tempel, wo sie beten und den Göttern opfern. Danach werden Götterbildnisse aus dem Tempel Pura Panti Timbrah in Sänften zum Fluß getragen, damit die Priester heiliges Wasser für die Gottheiten schöpfen. Auch die männlichen Clan-Mitglieder nehmen ein rituelles Bad, um sich für das heilige Perang Jempana-Ritual zu reinigen. Zum Tempel zurückgekehrt, werden die Gottheiten von den weiblichen Clan-Mitgliedern mit einem Tanz empfangen. Dann beginnt am Nachmittag das magische Schauspiel. Geschmückt mit goldfarbenen Tüchern, Blüten- und Blättergirlanden verlassen die Götterbildnisse in ihren Sänften wieder den Tempel. Plötzlich fallen die Träger in Trance und es beginnt ein hektischer Lauf, bei dem sie mit ihren Sänften immer wieder den Tempel umrunden. Vom Staccato eines Gamelanorchesters angetrieben wird der Lauf immer wilder, die Sänften jagen sich und krachen aggressiv gegeneinander. Lange kann der Kampf dauern, bis die Priester die Akteure mit heiligen Wasser wieder aus ihrer Entrückung erwecken. Erschöpft kehren die Träger mit den Götterbildnissen in den Tempel zurück.

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