Tempelbesuch mit Hinternissen

Posted by on 20. Juli 2011

 

Tempelbesuch als Abenteuer

Ich hatte gerade angefangen mich ein wenig an das sehr heisse und feuchte Klima Süd-Bali´s zu gewöhnen, als ich von Ketut eingeladen wurde an einer Tempelszeremonie teil zu nehmen. Wow, was für eine Ehre dachte ich und wollte natürlich alles richtig machen um Ketut vor seinen Freunden nicht zu blamieren. An dieser Stelle sei erwähnt das wohl mehr die Achtung vor deren Kultur und der gute Wille am meisten zählt, denn natürlich habe ich, auch wenn ich mich reichlich belesen hatte, kaum eine Chance alle Fettnäpfchen zu umgehen. Freundlich wie die balinesen sind haben sie mir mit einem freundlichen Lächeln meine Ungeschicktheit verziehen und auf jeden Fall bemerkt wie ich, zwar neugierig, aber immer bemüht war die Fettnäpfchen zu umgehen.Pura Dalem Agung Padangtegal Dennoch kam es zu einigen Begebenheiten auf die mich all meine Vorbereitungen und Informationen im Internet nicht vorbereitet hatten.  Die möcht ich euch natürlich nicht vorenthalten. Es war eine nächtliche Zeremonie, die nach Sonnenuntergang statt fand und es waren gerade mal Zehn Menschen vor dem Tempel anwesend. Das Mondlicht und eine (die einzigste Laterne weit und breit) hüllten die Anwesenden und den Tempel in ein beinahe unheimliches Licht. Den Namen des Tempels habe ich mir leider nicht merken können, er war aber auch überraschend klein, es hatten wohl kaum mehr als 30 Personen im Hof des Tempels platz. Aber jetzt greife ich vor, den ich war ja noch nicht drinne. Ich stand also da in Sarong, Bali Hemd, Scherpe und einem Tuch, das mir um den Kopf gewickelt wurde, fühlte mich sehr ungewohnt und fragte mich ob das hier wie mit den Schotten ist, die Einheimischen nun Unterwäsche unter den Sarongs tragen, oder nicht. Es kahmen, obwohl wir dort einige Zeit standen, keine weiteren Personen hinzu, es blieb also (einschließlich mir) bei elf “eine Fußballmanschaft!” bemerkte der Mann neben mir auf Englisch, der sich gerade bei Ketut wohl nach meiner Herkunft erkundet hatte. Naja zum Fußballspielen sind wir ja wohl nicht hier zusammengekommen dachte ich mir dazu. Lächelte aber freundlich und nickte diesem Mann zu. Offensichtlich sprechen einige dieser Leute vor einer solchen Zeremonie dem Alkohol zu, denn es wurde in diesem Moment einem weiteren Mann wohl klar das ich ein Ausländer war (komisch das er es erst jetzt merkte, da ich mit 1,80m viel größer als alle anderen war), der sprach an mir vorbei Ketut an und ich bekam voll seine (vermutlich Palmwein) Fahne ab. Aber zum Glück ging es ja jetzt endlich in den Tempel, alle betraten ihn durch das typisch balinesische geteilte Tempeltor. Vor dem Tor waren ein paar Stufen hinauf und dahinter gingen wieder ein paar hinab, so das der Innenhof ein wenig tiefer lag als die Straße vor dem Tempel. An der Seite des Tempelhofes war ein Pavillon, im hinteren Teil waren, auf einer etwas höheren Ebene, Schattenhaft Drei Pagoden zu sehen und dierekt vor dieser Erhebung war etwas das wohl sowas wie ein Altar darstellte. Jetzt stellte sich für mich heraus das einer der anwesenden (es waren bis auf eine Frau alles Männer) der Zeremonienmeister oder Priester ist, denn er kannte offensichtlich alle Anwesenden (bis auf mich) und die ihn. Ich versuchte weiterhin nicht zu doll aufzufallen und hielt mich dezent und leise im Hintergrund. Der Priester bemerkte mich trotzdem und fragte Ketut prompt Löcher in den Bauch, woraufhin er mich bat doch Fotos vom Tempel zu machen, da ich doch bestimmt ein paar schöne Bilder für Daheim haben wolle. Es war mir voll Peinlich das ich zugeben mußte, das ich die Kamera im Hotel gelassen hatte, weil ich mir dachte das es den Anwesenden sicher unangenehm sei wenn ich Fotos machen würde… (war wohl falsch gedacht).

Es sollte nicht die letzte missliche Lage für mich werden. Zudem war zu dem Zeitpunkt mein Plan bloß nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen schon fehl geschlagen, ich war bereits im Mittelpunkt des Geschehens und weitere Leute fragten Ketut über mich aus, wo ich denn her kähme, wie ich heisse und wie lang ich in Bali bleiben würde und wie es mir gefällt. Die Frau, es war ja klar, fragte ob ich den auch eine Freundin hätte und booom stand ich mit einem roten Kopf da. Ich fragte Ketut was ich tun sollte und er hatte wohl bemerkt das es mir etwas unangenehm war so im Mittelpunkt zu stehen und er bat den Priester und die anderen darum anzufangen. Puh, ich wischte mir den Angstschweiß von der Stirn und setzte mich im Schneidersitz etwa zwei Meter hinter dem Priester, mit dem Tor im Rücken hin. Ich Achtete schön darauf das meine Füße nicht auf einen der anderen zeigten. Der Priester stand auf, kam wieder zu mir und gab mir Räucherstäbchen und ein paar Blüten, die waren Wunderschön und bunt, ich bewunderte die Farben, die ich trotz der Dunkelheit sehen konnte. Ich sah wie die anderen die Räucherstäbchen vor sich, zwieschen zwei Bodenplatten, steckten und tat es ihnen gleich. Der Priester fing mit der Zeremonie an und mal hörte es sich wie Geflüster zu den Geistern, mal wie ein monotonischer Gesang zur Lobpreisung an. Trotz das der Tempel eigendlich, wie in einem Theater, die Schallwellen zurückwerfen hätte müßen, klang alles fast wie von der Dunkelheit gedämmt. Dennoch überkam mich ein etwas eigenartiges Gefühl, erst ein Schauer (incl. Gänsehaut), bei immernoch ca. 28° Außenthemperatur, dann ein Gefühl das jeder kennt der schon mal Weed geraucht hat, fühlte mich fast als könnte ich fliegen. Ich verstand nicht was da passierte, im nächsten moment war es auch schon vorbei und ich spürte wieder voll die schwüle Hitze und mir taten sofort die immernoch in Schneidersitzposition befindlichen Beine weh. Ich wollte wirklich nicht die anderen stören daher entschloß ich mich die Zähne zusammenzubeissen und den Schmerz zu ertragen. Plötzlich gab der “Fußballfan” von vorhin wirklich seltsamme Geräusche von sich, es klang wie eine Mischung aus Winseln, Lachen und Weinen. Die Szenerie wurde damit noch viel unheimlicher als sie es schon kurz zuvor gewesen war. Mir ging dieses Gewinsel und Geheule durch Mark und Bein. Tempelzeremonie Pura Ulun DanuIrgendwas in mir wollte aufspringen und wegrennen, raus aus dem Tempel. Das wollte ich dem guten Ketut, der sehlenruhig und andächtig neben mir saß, aber nicht antun, hätte warscheinlich eh nicht geklappt, da meine Beine sich inzwischen schon taub anfühlten. Ketut hatte wohl dann doch meine Panik bemerkt und flüsterte mir leise zu das ich keine Angst haben müsse es hätte nur ein Geist von dem Mann Besitz ergriffen. Die intensität dieses Erlebnisses, in der Dunkelheit, mit diesem “Besessenen” machte mir überdeutlich klar, warum die balinesen so intensiv gläubig sind, das ist nicht nur eine “Touristenattraktion”. Der Priester kümmerte sich um den Mann und vollzog eine Zeremonie, innerhalb der Zeremonie, mit diesem Mann. Mein Zeitgefühl raste mit all den Geschehnissen die auf mich einprasselten dahin. Dem Mann ging es dann irgendwann wohl wieder besser und der Priester ging zum Schluss herum und segnete alle mit seinem heiligen Wasser und klebte uns Reis auf die Stirn. Als Ketut aufstand wollte ich es ihm gleich tun, doch da war doch noch was…Ja ich hatte etwas vergessen… meine Beine, die ich die ganze Zeit so gequält hatte, sorgten für die nächste Peinlichkeit, denn als ich aufstand lief das Blut in die Beine und mir wurde schwarz vor Augen und ich sackte wieder in mir zusammen. Diesmal hatte ich wohl die anderen Gegruselt, denn ich hörte sie noch aufgeregt rufen, als ich hart zu Boden gegangen war. Wenige Augenblicke später kam ich wieder zu mir und war, wie sollte es anders sein, wieder im Mittelpunkt und zu tode beschähmt, wie konnte mir das nur passieren!? Ketut kümmerte sich rührend um mich und half mir auf die Beine. Ich wurde zum Zehnten male gefragt ob ich mich denn auch wirklich nicht verletzt hätte. “Nein, bis auf mein zerbrochenen Stolz kann ich keine Verletzung feststellen” dachte ich. Auch auf der anderen Seite der Welt trifft offensichtlich Murphis Gesetz zu. Denn die nächste Überraschung für mich ließ nicht lang auf sich warten. Ich machte einen Schritt von Ketut, der mich immernoch Sorgenvoll betrachtete, wech und hörte ein scharfes Geräusch, das entsteht wenn Stoff zerreist und mir war Schlagartig klar das war wohl mein Sarong gewesen. Nein, wie ungeschickt von mir, dachte ich und betrachtete, wie viel gewannter als ich, die anderen, einer nach dem anderen, die Stufen zum Tor hinauf gingen. Ketut lachte und klopfte mir auf die Schulter, während ich nur dachte: “Wie schön das es dunkel ist, dann sieht man wenigstens nicht wie mir die Schamesröte ist Gesicht knallt”. Ich legte die Handflächen vor meiner Brust aneinander, grüßte so den Priester, bedankte mich sehr höflich dafür das ich an der Zeremonie Teil haben durfte und fragte ob ich ihm für den Tempel eine Spende geben dürfte. Er bejate dies und bestand aber darauf das er mir eine Quittung dafür ausstelle, die ich dann auch wenig später bekam.

 

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